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Tino Quaderer: "Die Verwaltung muss ein Partner sein"

31. Januar 2019
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Das Miteinander, gesunde Finanzen und eine moderne Verwaltung sind zentrale Themen für Tino Quaderer, den FBP-Vorsteherkandidaten in Eschen-Nendeln
 
In Eschen-Nendeln scheint die Unzufriedenheit gross zu sein, schliesslich treten in keiner anderen Gemeinde so viele Vorsteherkandidaten an. Tino Quaderer, Kandidat der FBP, erklärt im Interview, wo er den Hebel ansetzen möchte.
 
Der Wahlkampf in Eschen zieht an und ein Thema, das von allen Vorsteherkandidaten genannt wird, ist die Verwaltung. Steht es so schlecht um die Verwaltung in Eschen?
Das Eschen-Nendeln, das ich vor Augen habe, ist ein Dorf, das sich mit Kraft und Freude weiterentwickelt, ein Dorf, in dem Neues entstehen kann. Dazu braucht es eine dienstleistungsorientierte Verwaltung. Daher ist für mich die Weiterentwicklung der Verwaltung zu einem Partner für Menschen und Unternehmen ein zentrales Thema.
Ein solcher Veränderungsprozess ist keine triviale Aufgabe. Hier hilft es, dass ich in meinen bisherigen beruflichen Stationen schon verschiedentlich grössere Veränderungsprozesse erfolgreich umsetzen durfte.
Betonen möchte ich zugleich, dass es in der Eschner Verwaltung sehr viele fähige Mitarbeitende gibt. Wie letztlich in jedem Betrieb brauchen fähige Mitarbeiter aber unter anderem auch die richtigen Zielvorgaben und eine klare sowie motivierende Führung.
 
Welche Themen stehen neben der Verwaltung auf Ihrer Agenda?
Viele Themen liegen auf der Hand, etwa der stärkere Einbezug der Menschen durch neue Beteiligungsplattformen sowie eine aktivere und offene Kommunikation. Ein besonders wichtiges Thema ist zudem die Stärkung des sozialen Zusammenhalts. Gerade in diesem Bereich, etwa für jüngere Menschen, Familien und Senioren, werden wir in unserem Wahlprogramm klare Akzente setzen.
Daneben gibt es aber noch ein Thema, das für unsere Zukunft entscheidend ist, die Gemeindefinanzen. Während die meisten anderen Gemeinden ihre Reserven ausbauen können, haben wir zuletzt erheblich Reserven abgebaut und auch in den nächsten Jahren werden unsere Reserven massiv sinken. Wenn wir den nächsten Generationen ein gesundes Dorf übergeben möchten, müssen wir hier rasch eine Trendwende herbeiführen.
 
Und wie wollen Sie den Reservenabbau stoppen?
Zunächst sollte man längerfristig nicht mehr Geld ausgegeben als man einnimmt. Wenn wir also auch in zehn Jahren noch wichtige Zukunftsinvestitionen tätigen wollen, müssen wir uns bereits heute Gedanken darüber machen, wo dieses Geld herkommen soll.
Hier sieht es in unserer Gemeinde leider nicht gut aus. Sowohl bei der Ertragssteuer als auch bei der Vermögens- und Erwerbssteuer stehen wir relativ gesehen schlechter da als fast alle anderen Liechtensteiner Gemeinden. Es muss uns gelingen, wieder attraktives Steuersubstrat anzusiedeln. Dazu müssen wir einfacher, fokussierter und effizienter werden. Wir müssen beispielsweise dafür sorgen, dass die Ansiedlung neuer Einwohner und Betriebe wieder flüssiger läuft und nicht durch schwerfällige Prozesse gehemmt wird. Zudem müssen wir hier proaktiver werden und nicht einfach im Büro warten bis sich hoffentlich interessante Partner bei uns melden.
Ebenso wichtig scheint es mir, dass wir verbindliche Finanzeckwerte einführen, damit unser Haushalt längerfristig nicht in Schieflage gerät.
 
Aber ist nicht die FBP bei den Wahlen vor vier Jahren mit einer Senkung des Gemeindesteuerzuschlags auf 180% angetreten?
Ja genau. Und wir haben dieses Wahlversprechen auch in der kürzest möglichen Zeit erfolgreich umgesetzt. Das ist aber kein Widerspruch zum erwähnten Problem. Selbst mit dem früheren Steuerzuschlag von 200 Prozent würden in den nächsten Jahren massiv Reserven abgebaut. Die Senkung des Steuerzuschlags hat also am grundsätzlichen Problem nichts geändert, sondern führt lediglich dazu, dass das Problem heute klarer sichtbar ist und somit hoffentlich früher gelöst wird.
Zudem kann man meines Erachtens nicht die Einwohner dafür bestrafen, dass Eschen-Nendeln seine diesbezüglichen Hausaufgaben in den letzten Jahren schlechter gemacht hat als andere.
 
Ein grosses Thema in Eschen ist die Nutzungsplanung, die zu fast 190 Einsprachen geführt hat. Was ist genau das Problem?
Die Nutzungsplanung besteht aus dem veränderten Zonenplan sowie der neuen Bauordnung. Während im Grundsatz unumstritten war, dass Eschen-Nendeln hier Handlungsbedarf hatte, war der Prozess meines Erachtens grundsätzlich falsch aufgesetzt. Statt diesen Prozess mit einer einfachen und möglichst schlanken Zielsetzung durchzuführen hat man alle möglichen Themen zusammengemischt und daher greift die Nutzungsplanung nun in zu viele Dinge zu tief ein. Das hat wenig überraschend dazu geführt, dass die neue Nutzungsplanung erheblichen Widerstand ausgelöst hat.
 
Und wie stehen Sie zu dieser kontroversen Nutzungsplanung?
Ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass die Vorlage weit über das Ziel hinausschiesst, zu viele Einschränkungen beinhaltet und uns in der Entwicklung der Gemeinde unnötig bremsen wird. Daher war und bin ich dagegen. Wichtig war mir dabei, die Vorlage bei gewissen Punkten zu entschärfen, wie etwa bei der ursprünglich geplanten minimalen Ausnützungsziffer in der Wohnzone B sowie bei anderen Themen.
 
Und wie geht es jetzt weiter in Sachen Nutzungsplanung?
Persönlich gehe ich davon aus, dass einige der Einsprachen durch alle Instanzen gehen werden und der Ausgang somit vorerst offen bleibt.
Das Durcheinander ist aber nun angerichtet und für mich persönlich ist das Entscheidende, dass wir in Zukunft frühzeitig dafür sorgen, dass nicht mehr ohne Not solche Überregulierungen produziert werden. Entsprechende Projekte müssen künftig von Beginn an auf das fokussiert werden, was wirklich notwendig ist respektive die Gemeinde weiterbringt. Zudem hat dieser Prozess mal wieder aufgezeigt, wie wichtig der gesunde Menschenverstand in der Politik ist.
 
 
 
Zur Person
Der 42-jährige Tino Quaderer ist als leitender Angestellter bei einer grossen Liechtensteiner Bank tätig. Er verfügt über rund dreizehn Jahre Führungserfahrung unter anderem als Leiter der Landesbibliothek, als Chefredaktor des "Volksblatts" sowie insbesondere als Führungskraft in der Finanzbranche. Politische Erfahrung sammelte er zunächst als Mitarbeiter der Regierung und seit 2015 als Gemeinderat sowie Mitglied der Finanz- und der Wirtschaftskommission. Quaderer hat in Bern studiert sowie doktoriert und wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Eschen.

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