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Die junge FBP sucht den Dialog

02. März 2021
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Die Aussagen S.D. Hans-Adam II. zur „Ehe für Alle“ wurden in Liechtenstein viel diskutiert. Das nahm die junge FBP zum Anlass, den Dialog mit S.D. zu suchen und so einen konstruktiven Beitrag zu der Debatte zu leisten. Das Interview wurde auf Schloss Vaduz geführt.

jFBP: Ihr Interview vom 12.02.2021 sorgte für viel Kritik. Vor dem Schloss und im Städtle wurden etwa Regenbogen-Flaggen aufgehängt. Wie nahmen Sie diese Reaktionen wahr?

S.D. Hans-Adam II.: Ich bin mir Kritik gewohnt. Es gab Kritik von verschiedener Seite als ich unmittelbar nach meinem Studium das fürstliche Vermögen reorganisieren musste, was mit Personalabbau, Betriebsschliessungen und dem Verkauf von Betrieben verbunden war. Kritisiert wurde ich als ich den Beitritt Liechtensteins zur UNO und zum EWR vorgeschlagen habe. Kritik gab es auch bei der Verfassungsreform und bei der Reorganisation unserer Gerichte sowie bei der Rechtshilfe. Ich glaube, dass die grosse Mehrheit hier in Liechtenstein, aber auch im Ausland, soweit sie sich mit diesen Themen beschäftigen, der Meinung ist, dass diese Reformen wichtig und richtig waren.

jFBP: Die Mehrheit des Landtags hat die Frage zur Gleichstellung von homosexuellen mit heterosexuellen Paaren mit „Ja“ oder „Eher ja“ beantwortet. Sie meinten, dass dennoch wahrscheinlich das Veto eingelegt werden würde, wenn es um die Adoption von Kindern ginge. In der Vergangenheit wurde eine frühzeitige Ankündigung des Vetos kritisiert. Wie ist Ihre Sicht bezüglich dieses Aspekts?

S.D. Hans-Adam II.: Über einen Vetoentscheid werde nicht ich, sondern der Erbprinz, der seit bald 20 Jahren die Regierungsgeschäfte führt, entscheiden. Was die Kritik an einer frühzeitigen Ankündigung des Vetos betrifft, möchte ich daran erinnern, dass mein Vater kritisiert wurde, weil er erst nach einer Abstimmung sein Veto eingelegt hat. Damals wurde allgemein die Meinung geäussert, dass man besser vor einer Abstimmung mitteilt, ob man einem Gesetzesentwurf zustimmt oder nicht. Das haben sowohl der Erbprinz als auch ich in der Vergangenheit getan. Daher ist es sinnvoll, Gesetzesinitiativen mit dem Staatsoberhaupt, also in diesem Fall dem Erbprinzen, schon vor einer Abstimmung oder Publikation zu besprechen.

jFBP: Gab es für Sie eine persönliche Richtlinie, die das Veto-Recht betrifft? Beziehungsweise gibt es politische Gebiete und Grenzen, wo Sie das Veto nie benutzt hätten?

S.D. Hans-Adam II.: Nein, man muss dies von Fall zu Fall beurteilen. Es kann verschiedenste Gründe geben, weshalb man ein Gesetz nicht genehmigt. Gesetze können gegen die Verfassung verstossen, unklar formuliert sein, aussenpolitische Probleme verursachen usw.

jFBP: Worauf begründet sich Ihr Urteil zum Adoptionsrecht?

S.D. Hans-Adam II.: Bei der Adoption minderjähriger Kinder muss das Wohl des Kindes für die Zustimmung der Vormundschaftsbehörde ausschlaggebend sein. Es gibt da meines Wissens internationale Richtlinien, die im Völkerrecht verankert sind und die wir auch zu befolgen haben.

jFBP: Die wohl umstrittenste Aussage des Interviews war „Wenn Homosexuelle Knaben adoptieren, ist das nicht unproblematisch.“ Diese Aussage wurde seitdem breit diskutiert und interpretiert. Daher die Frage: Was genau meinen Sie damit bzw. wie ist das zu verstehen?

S.D. Hans-Adam II.: Damit meine ich, dass es im Normalfall für die Entwicklung des Kindes besser ist, sowohl eine Adoptivmutter als auch einen Adoptivvater zu haben. Ich habe mich mit den internationalen Richtlinien bzw. den internationalen Verträgen, die wir in diesem Zusammenhang zu befolgen haben, im Einzelnen nicht auseinandergesetzt. Ich weiss nur, dass die Vormundschaftsbehörde bei uns einer Adoption minderjähriger Kinder nur dann zustimmen wird, wenn es sich um ein Ehepaar von Mann und Frau handelt, die finanziellen Voraussetzungen dies ermöglichen, die Wohnverhältnisse entsprechen, das Ehepaar ein Mindestalter erreicht hat usw. Ausserdem gehe ich davon aus, dass meine Frau und ich zu alt sind, um ein minderjähriges Kind zu adoptieren. Es gibt Ausnahmen aus erbrechtlichen Gründen, aber dann liegt die Erziehung des minderjährigen Kindes nach wie vor bei den Eltern des Kindes. So hat z.B. Fürst Johannes meinen Vater, soweit ich mich erinnere, kurz nach dem 1. Weltkrieg adoptiert. Der Grund war die Auflösung der Fideikommisse in der Tschechoslowakei und der letzte Begünstigte des Fideikommisses konnte einen Erben einsetzen.

jFBP: Aber können unkonventionelle Familienmodelle einem Kind nicht genauso alles bieten, was es für eine gesunde Entwicklung braucht?

S.D. Hans-Adam II.: Im Einzelfall mag dies so sein. Aber generell scheint es mir für das Kindeswohl besser zu sein, eine Mutter und einen Vater zu haben.

jFBP: Nun umfasst die Fürstenfamilie ja mehrere Generationen. Wie haben Ihre Kinder und Enkel auf Ihre Aussagen reagiert?

S.D. Hans-Adam II.: Die Kinder und ein Teil der Enkelkinder haben die Diskussion in den Medien natürlich mitbekommen und ich konnte bereits mit einem Teil einen wertvollen Gedankenaustausch haben.

jFBP: Glauben Sie, dass es Diskrepanzen zwischen Ihrer Meinung als Fürst und der Meinung des Volkes gibt?

S.D. Hans-Adam II.: Ich glaube nicht, dass es diesbezüglich zwischen dem Volk und mir Diskrepanzen gibt. Umfragen sind mit Vorsicht zu geniessen, wie die Erfahrungen der Vergangenheit gezeigt haben. Es gab Umfragen, die gezeigt haben, dass das Volk gegen einen UNO-Beitritt, eine Mitgliedschaft im EWR, eine Verfassungsrevision usw. ist, und die Abstimmungen haben jeweils ein anderes Resultat gezeigt. Allerdings darf man den Aufwand nicht scheuen, um der Öffentlichkeit zu erklären, worum man für oder gegen einen bestimmten Gesetzes- oder Verfassungsentwurf ist.

jFBP: In den letzten Jahrzehnten wurde die Gesellschaft in Europa und auch in Liechtenstein stets liberaler. Angenommen dieser Trend setzt sich so fort, sehen Sie Liechtenstein dann als Teil dieser liberalen Bewegung?

S.D. Hans-Adam II.: Wir waren in manchen Bereichen liberal, in anderen konservativ. Diese Mischung hat sich bewährt.

jFBP: Dadurch, dass Sie diesem Interview zustimmen, zeigen Sie beispielhaft, wie wichtig Ihnen der Dialog mit dem Volk ist. Hat es Sie gestört, dass die letzten Tage zwar viele Vorwürfe und Empörungen laut wurden, aber niemand genauer nachgefragt oder den Dialog gesucht hat?

S.D. Hans-Adam II.: Bedauerlich finde ich, dass man mir eine Diskriminierung gegen Homosexuelle unterstellt hat, ohne diesen Vorwurf näher zu begründen. Eine Diskriminierung war nicht meine Absicht, sondern mir ging es um das Kindeswohl. Eigentlich hätte man dies auch schon von meiner Aussage ableiten können, wonach ich nichts gegen eine gleichgeschlechtliche Ehe habe, solange eine Fremdkindadoption nicht zulässig ist.  

jFBP: Um zukünftige Eskalationen von Meinungsverschiedenheiten zu meiden: Wie müssten wir den Diskurs in Liechtenstein zukünftig anpacken?

S.D. Hans-Adam II.: Grundsätzlich wird sich so eine Eskalation nie ganz vermeiden lassen. In einer Demokratie gibt es immer Themen, die polarisieren. Es ist wichtig, dass diese Themen dann diskutiert werden, auch wenn man nicht immer einen Konsens finden wird.

jFBP: Wie glauben Sie, wird sich das Thema Adoptionsrecht weiterentwickeln?

S.D. Hans-Adam II.: Das Thema muss zuerst weiter diskutiert werden. Wir sind erst am Anfang dieses politischen Prozesses, es müsste ja auch noch ein Gesetz ausgearbeitet werden.

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