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Sabine Monauni: Vertrauen kann man nicht einfach herbeireden

14. Januar 2021
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Interview von Hannes Matt
14.01.2021

Regierungschefkandidatin Sabine Monauni ist optimistisch, dass das Gesamtpaket der FBP die Wählerschaft überzeugen kann. So müsse Politik gerade in unsicheren Zeiten gut zuhören, offen und ehrlich kommunizieren sowie für Überzeugungen einstehen – vor allem in schwierigen Situationen.

«Volksblatt»: Frau Monauni, sind Sie gut ins neue Jahr «gerutscht»?
Sabine Monauni: Ja, den Umständen entsprechend ruhig und im engen Kreis meiner Familie. Auch wenn das Jahr 2021 noch einige Unsicherheiten mit sich bringt, so sind wir alle froh, dass wir das Kalenderjahr 2020 hinter uns lassen können. Ich habe beim Bleigiessen an Silvester die Figur eines Weihnachtsbaums gegossen, was anscheinend für die Hoffnung und einen Neuanfang steht. Das finde ich doch sehr passend für 2021.

Wie Erbprinz Alois jüngst im Interview sagte, lässt er sich überraschen, ob die Zeit schon reif für eine Frau an der Spitze der Regierung sein wird. Lassen Sie sich auch überraschen? Mit welchem Gefühl blicken Sie nun auf die Landtagswahlen am 7. Februar?
Der Wahlkampf ist aufgrund von Corona alles andere als gewöhnlich. Mir fehlen die persönlichen Kontakte mit der Bevölkerung, was es auch schwierig macht, die eigenen Chancen einzuschätzen. Ich denke aber, dass sich die Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner weniger dafür interessieren, ob eine Frau oder ein Mann an der Regierungsspitze steht, sondern ob die jeweilige Person aufgrund ihrer Qualifikation und Persönlichkeit in der Lage ist, unser Land erfolgreich in die Zukunft zu führen. Ich kann nur meine Aussage wiederholen, welche ich am Parteitag letzten September getätigt habe: «Die Nomination einer Frau für das Amt der Regierungschefin ist nach mehr als 30 Jahren seit Einführung des Frauenstimmrechts weder mutig noch experimentell, sondern einfach zeitgemäss.» Letztlich geht es nicht um Einzelpersonen, sondern um die Überzeugungen und Werte, für die eine Partei steht. Ich bin auf jeden Fall optimistisch, dass die FBP mit ihrem Gesamtpaket die Wählerinnen und Wähler überzeugen kann.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass die FBP wieder die Mehrheit bei den Wahlen schaffen wird und Sie Regierungschefin werden?
Die FBP hat in den letzten Jahren mit sehr viel Weitsicht und Besonnenheit regiert und damit für Stabilität und Wohlstand in unserem Land gesorgt. Ich denke, dass viele Menschen in diesem Land wollen, dass dieser Kurs in Zukunft weitergeführt wird. Für dieses Versprechen stehe ich gemeinsam mit Katrin Eggenberger und Manuel Frick ein. Zudem haben wir ein sehr engagiertes und kompetentes Landtagskandidatenteam aus ganz verschiedenen Berufssparten, darunter auch einige neue und junge Kräfte, die frischen Wind und neue Sichtweisen in die Politik bringen. Ich hoffe, dass wir alle jene Bürgerinnen und Bürger für die Wahl der FBP gewinnen können, die sich eine offene und sachliche Politik wünschen. Und das ist meines Erachtens die Mehrheit.

Können Sie in fünf Punkten zusammenfassen, warum man die FBP wählen sollte?

  • Wir verfolgen eine Politik mit Mass und Mitte.
  • Wir haben alle Generationen im Blick.
  • Wir stehen für Verlässlichkeit, Pragmatismus und Eigenverantwortung.
  • Wir wollen Stabilität, sind aber gleichzeitig offen für gesellschaftliche Veränderungen.
  • Wir suchen nach mehrheitsfähigen Kompromissen.

Ihr Konkurrent Daniel Risch hat bereits bekannt gegeben, dass, wenn er nicht Regierungschef wird, er sich zurückzieht. Falls die VU die Wahlen verliert, stünde er also nicht mehr für die Regierung zur Verfügung. Wie schaut es bei Ihnen aus?
Ich finde es nicht richtig, vor den Wahlen schon über Postenbesetzungen in der Regierung zu reden. Wir werden am 7. Februar das Wahlergebnis genau anschauen und dann bewerten, was dem Wählerwillen am besten entspricht. Bis dahin konzentriere ich mich auf mein Ziel, nämlich mit der FBP eine Mehrheit zu erzielen und somit die Wahlen zu gewinnen.

Was unterscheidet Sie vom Spitzenkandidaten der VU?
Als politische Quereinsteigerin habe ich den Vorteil, dass ich offen und unvoreingenommen an gewisse Themen herangehen kann. Gleichzeitig bringe ich auch die Sicht von aussen mit ein und weiss, wo die Handlungsspielräume für unser Land im internationalen Kontext liegen. Ich weiss, dass die EU in Liechtenstein nicht nur Freunde hat, sondern auch sehr kritisch gesehen wird. Aber durch den EWR ist die EU nun mal neben der Schweiz unser wichtigster Partner. Für mich spricht, dass ich bei der EU ein grosses Netzwerk habe. Dieses werde ich auch nutzen, um für unser Land grössenverträgliche Lösungen zu erzielen. Hinzu kommt, dass ich durch mein berufliches Engagement mit den internationalen Entwicklungen im Bereich Finanzplatz und Steuerpolitik bestens vertraut bin und deren Auswirkungen auf Liechtenstein gut einschätzen kann. Diese Bereiche fallen in das Ressort des Regierungschefs und sind von entscheidender Bedeutung für die Zukunft unseres Landes.

Wo orten Sie die Unterschiede in den Wahlprogrammen der beiden Grossparteien?
Es liegt auf der Hand, dass es im Wahlprogramm der bestehenden Koalitionspartner gewisse Überschneidungen gibt. Im Gegensatz zur VU hat sich die FBP jedoch auf vier Kernthemen beschränkt, die wir für die erfolgreiche Entwicklung unseres Landes als zentral sehen: starke Familien, attraktiver Wirtschaftsraum, intakter Lebensraum und stabiler Staat. Dabei machen wir zu jedem dieser Themen konkrete Aussagen, was wir in der kommenden Legislatur erreichen wollen. Etwa für den Ausbau der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder eine aktive Klimapolitik, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die Bürgerinnen und Bürger sollen wissen, was sie mit der Wahl der FBP erhalten.

Sie haben stets den Dialog in den Vordergrund gestellt und wollen die Bevölkerung stärker abholen, die VU will für das «Miteinander» und «Vertrauen» stehen. Ist das nicht alles irgendwie dasselbe?
Nein, nicht unbedingt. Vertrauen kann man nicht einfach herbeireden, sondern muss man sich erarbeiten. Und dafür braucht es den ständigen Dialog mit der Bevölkerung. Gerade in unsicheren Zeiten muss Politik gut zuhören, offen und ehrlich kommunizieren und für seine Überzeugungen einstehen, vor allem in schwierigen Situationen.

Welche Impulse wollen Sie als Regierungschefin setzen?
Mir ist es vor allem wichtig, die Themen, die unsere Zeit und auch Liechtenstein bewegen, aufzunehmen. Wie bereits erwähnt, erfasst das sowohl die Familien- wie auch die Klimapolitik, aber auch eine nachhaltige Lösung des Verkehrsproblems, das wir in Liechtenstein haben. Deshalb sind das zentrale Punkte unseres Wahlprogramms. Genauso wie die Stabilität unseres Wirtschaftsstandorts, ein Thema, das uns und unsere Nachbarländer infolge der Coronakrise sicher auch noch intensiv beschäftigen wird.

Sie betonen immer wieder, dass Sie einen neuen Wind in die Politik bringen wollen. Was wollen Sie denn anders machen?
Es geht mir nicht um Veränderung um der Veränderung willen. Gerade die letzten Jahre haben aber Entwicklungen und Fragen hervorgebracht, auf die wir in der kommenden Legislaturperiode reagieren müssen. Das betrifft die Folgen der Pandemie genauso wie den Brexit oder technologische Neuerungen, die immer stärker in unser Leben Einzug halten und viele rechtliche und ethische Fragen aufwerfen. Mein neuer, frischer Blick kann da sicherlich hilfreich sein, indem ich die Dinge eben nicht so mache, wie sie schon immer gemacht wurden.

Wie gedenken Sie als Regierungschefin, mit «heissen Eisen» umzugehen, die es sicherlich auch in der kommenden Legislatur geben wird?
Essenziell für mich ist es, eine klare Sprache zu finden, eine Kommunikation, die Entscheidungen und Resultate transparent offenlegt und verständlich erklärt. In ganz Europa beobachten wir eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft und des Gefühls, dass «die da oben» losgekoppelt vom Rest der Gesellschaft Entscheidungen treffen. Deshalb muss es uns gelingen, gemeinsam einen Dialog zu finden, bei dem alle zu Wort kommen. So können wir sicher auch die «heissen Eisen» lösungsorientiert anpacken.

Wie blicken Sie persönlich auf das letzte Jahr zurück?
Mit gemischten Gefühlen. Einerseits ehrt und freut mich die Möglichkeit, Regierungschefin unseres schönen Landes werden zu können, ausserordentlich, andererseits überschattet die Pandemie auch meinen Alltag. Gerade die Politik und natürlich auch ein Wahlkampf sind ja nichts Abstraktes. Beides lebt vom persönlichen Austausch. Ich hoffe, dass wir eben dieses Persönliche, all die Gespräche und Treffen bald nachholen können.

Wie sieht Ihr Terminplan nun bis zu den Wahlen am 7. Februar aus?
Ich werde bis zum Wahlsonntag versuchen, die Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner von der FBP und unserem Team zu überzeugen. Entsprechend ist mein Terminkalender noch sehr voll, was mich aber nicht stört. Als ich mich dazu entschloss, als Spitzenkandidatin anzutreten, war mir bewusst, dass es eine intensive Zeit werden wird und ich mein Bestmögliches geben möchte, um Liechtenstein von der FBP und mir zu überzeugen.

Welche Botschaft wollen Sie der Bevölkerung noch auf den Weg geben?
Auch wenn die aktuelle Coronalage uns alle belastet, dürfen wir doch die Geduld nicht verlieren. Der Dichter Friedrich Hölderlin schrieb vor rund 220 Jahren den Vers «Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch». Mich erinnert das daran, dass Menschen schon immer mit schweren Zeiten zu kämpfen hatten, sie aber den Lichtblick am Horizont nie aus den Augen verloren. Das gilt nach wie vor.

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