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Fahrradfahren muss noch viel attraktiver werden

14. Mai 2020
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Beitrag von Fraktionssprecher Daniel Oehry

Das Mobilitätskonzept 2030, welches im Mai-Landtag grossmehrheitlich verabschiedet wurde, fokusiert auf drei Schwerpunkte: Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs, Ausbau des Langsamverkehrs und Optimierung beim motorisierten Individualverkehr.

Mit dem Begriff „Motorisiertem Individualverkehr“ (MIV), werden Autos, Motorräder und Mopeds zusammengefasst. Damit der MIV fliessen kann, benötigt er Strassen, und genau diese kommen zu Randzeiten oft an ihre Leistungsgrenzen. Augenscheinlich führt dies immer wieder zu Stau und demzufolge zu Verspätungen im Arbeits- und Freizeitverkehr.

Diesem Stau kann auf unterschiedliche Arten begegnet werden. Vielerseits werden zusätzliche Strassen gefordert, welche erst nach Jahrzehnten realisiert sind und dann im ersten Moment zu einer Entspannung der Stausituation beitragen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass durch diese Massnahme das Problem nur teilweise behoben wird, da der Stau später wieder auftritt und allenfalls einfach an einen anderen Knotenpunkt verlagert wird. Das MIV-Aufkommen wächst in der Zeit der Planung und Realisation schliesslich auch weiter. Auch die Optimierung unserer Brückenanschlüsse an die Autobahn ist nicht die langfristige Lösung. Die Mobilitätsbedürfnisse bis ins Jahr 2030 oder darüber hinaus bewältigen wird damit nicht.

Dies führt zwangsläufig zu einer Strategie der Verteilung der Mobilitätsbelastung auf zusätzliche Schultern. Somit muss ein Teil des Wachstums unserer Mobilitätsansprüche durch den öffentlichen Verkehr getragen werden.

Aus Sicht der ÖV-Nutzer sind drei Fragen entscheidend: Wie schnell komme ich von A nach B, wie oft muss ich dazu umsteigen und wie pünktlich ist die Verbindung?

Wenn der Bus im Stau steht und man deswegen seine Verbindung verpasst, wird der ÖV als nicht attraktiv empfunden. Darum weichen auf der Strecke Buchs-Schaan viele Pendler am Morgen und am Abend vom Bus auf die Bahn. Diese steht schliesslich nie im Stau. Da diese Bahnstrecke aber eingleisig verläuft, kann keine Erweiterung der Kapazität vorgenommen werden. Der ÖV kann aber nur als bedeutende Alternative funktionieren, wenn Bus und Bahn zusätzliche Kapazitäten zugestanden werden. Heute sprechen wir von rund 20'000 Pendlern.  Bis 2030 oder gar 2040 werden es sicher viel mehr sein. Daher bin ich persönlich überzeugt, dass neben der Optimierung der Verkehrsknoten auch die Erhöhung der Schienenkapazität durch den Doppelspurausbau bis Nendeln ein sehr wichtiges Element darstellt.

Diese beiden Elemente der Mobilitätslösung
- Optimierung MIV und ÖV Ausbau
- werden uns aber nicht kurzfristig zur Verfügung stehen.

Dies führt mich zum FBP Positionspapier «Trittsicher in die Zukunft». Das E-Bike hat dem klassischen Fahrrad als Verkehrsmittel zu einem neuen Schub verholfen. 40 % aller 2019 verkauften Fahrräder waren E-Bikes. Für viele war und ist das ein Durchbruch, da so grössere Distanzen und mehr Höhenmeter für den Arbeitsweg in Kauf genommen werden. Damit dieses Potential auch genutzt werden kann, müssen wir der Fahrradförderung unser Augenmerk schenken.

Dies bedeutet ganz konkret, dass wir unser Radwegenetz überdenken müssen, denn dieses wurde lange vor dem Aufkommen von E-Bikes konzipiert. Wir benötigen Fahrradschnellverbindungen durch das Land, auf denen Fahrradfahrer auch Vortritt habe. Diese müssen gut signalisiert, damit sicher und attraktiv gestaltet sein. Kreuz und quer auf Feldwegen durch das Land zu fahren ist dann in Ordnung, wenn es um eine Fahrradtour in der Freizeit geht. Wenn es um Alltagsverkehr geht, müssen Verbindungen direkt und zügig sein. Fahrradfahrer brauchen Vortritt und dürfen nicht durch Hindernisse aufgehalten werden. Die Fahrtrichtungen sind signalisiert und die Schnellverbindung so breit, dass das Kreuzen von Fahrrädern sehr gut und sicher möglich ist. Am Ziel angekommen kann ich mein E-Bike oder Fahrrad an einem Service-Point abstellen,  bei Bedarf einschliessen oder sogar reparieren lassen. Diese öffentlichen Abstellmöglichkeiten oder Abstellanlagen inkl. Duschen und Spinde bei den Arbeitgebern stellen wichtige Elemente dar, damit das Fahrrad zum Alltagsfortbewegungsmittel werden kann.

Nur wenn die Fahrradinfrastuktur sicher gestellt ist, wird das Fahrrad so attraktiv im Alltag, dass es einen wesentlichen Teil des Mobilitätsaufkommens abdeckt. Daneben hat es noch viele andere positive Aspekte, aus Sicht Bewegung und Gesundheit, aus Sicht Klima und Umwelt und aus Kostensicht. Für diesen Weg spricht vieles, denn hier ist die Realisation vergleichsweise rasch möglich und die Investitionskosten sind überschaubar.

Deshalb setzen wir uns für einen Mix an Massnahmen ein. Optimierungen bei motorisierten Individualverkehr, mehr Kapazitäten im ÖV und eine echte Infrastrukturoffensive für Fahrräder und E-Bikes.

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